Energiesparen zu Hause leicht gemacht

Energie-Scouts unterstützen Mieter*innen

Hohe Energiekosten treffen Mieter*innen in besonderem Maße: Sie spüren ganz direkt jede Preissteigerung, können aber wenig dagegen tun. Denn die wirksamsten Maßnahmen gegen einen hohen Energieverbrauch liegen in der Regel in der Hand der Vermieter*innen. Gleichzeitig zeigen unsere Daten: Mieter*innen haben doch ein deutlich höheres Einsparpotenzial, als gemeinhin bekannt ist.

Was Mieter*innen benötigen, um dieses Potenzial zu heben: eine individuelle, maßgeschneiderte Klima- und Energiesparberatung. Die gibt es jedoch – auch in der Mieterstadt Stuttgart – nicht. Der Grund dafür ist einfach: Eine persönliche Energieberatung für 450.000 Mieter*innen ist schlichtweg nicht leistbar und leider auch nicht wirtschaftlich.

Hier kommt das Pilotprojekt „Energie-Scouts“ ins Spiel. Begleitend zur Kampagne „Stuttgart knackt die 10%!“ soll damit ein niederschwelliger, zweistufiger Einstieg in die Beratung zum Thema Energiesparen erprobt werden: erstens die Energiesparberatung bei den Mieter*innen vor Ort, zweitens die Initiierung eines Dialogs zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen zum energetischen Zustand des Gebäudes, der idealerweise zu einer professionellen Energieberatung führt.

Unterscheidung Energieberatung / Energiesparberatung

Energie-Scouts unterscheiden sich von klassischen, zertifizierten Energieberater*innen. Während sich die klassische Energieberatung in erster Linie an Hausbesitzer*innen wendet und größere Maßnahmen wie Sanierungen und Heizungstausch in den Blick nimmt, zielt die Energiesparberatung der Energie-Scouts auf geringinvestive Maßnahmen und Verhaltensänderungen in Privathaushalten, vor allem bei Mieter*innen, ab.

Projekt-Ziele

  • niederschwellige, kostenlose Energiesparberatung durch Vor-Ort-Begehung
  • individuelle Energiespartipps
  • Möglichkeit, die Vermieter*innen für eine technische Energieberatung zu gewinnen

Energie-Scouts: Das ist die Idee

Bei den „Energie-Scouts“ handelt es sich um Personen, die Mieter*innen in deren Wohnung zum Thema Energiesparen beraten und konkrete Tipps und weiterführende Handlungsempfehlungen geben. In vielen Fällen werden Energie-Scouts ehrenamtlich tätig oder erhalten nur eine geringe Aufwandsentschädigung. Das macht ihren Einsatz in der Breite möglich. Sie besitzen bereits vor ihrem Einsatz als Energie-Scout gute Kenntnisse zum Thema, z.B. durch eigene Erfahrungen, oder werden diesbezüglich gezielt geschult.

Dabei steht in einem ersten Schritt die Beratung der Zielgruppe über kurzfristige, verhaltensbasierte und geringinvestive Energiespar-Maßnahmen im eigenen Haushalt im Mittelpunkt. Kern der Beratung ist eine Begehung der Wohnung gemeinsam mit den Mieter*innen.

Schritt zwei soll die Mieter*innen anschließend darauf vorbereiten, in den Dialog mit Ihrem Vermieter oder ihrer Vermieterin zu treten. Das Ziel dabei: eine umfassende professionelle Energieberatung anzustoßen, der weitere, investive und langfristige Maßnahmen für wesentlich mehr Energieeffizienz folgen könnten – beispielsweise in den Bereichen Gebäudehülle (z.B. Wärmedämmung) oder Energietechnik (z.B. Heizungstausch).

Beratung durch die Energie-Scouts vor Ort

Theoretische Informationsangebote zum Thema Energiesparen gibt es viele. Die Energie-Scouts liefern die Praxis, ganz konkret, für jeden interessierten Haushalt direkt vor Ort.

Und das funktioniert so: Um die größtmöglichen Energiesparpotentiale in den Haushalten zu ermitteln, gehen die Energie-Scouts gemeinsam mit den Bewohner*innen durch die Wohnung. Sie schauen sich dort z.B. die elektrischen Geräte, die Wasserverbraucher oder auch die Heizkörper an, um Zustand, Alter und Energieverbrauch zu ermitteln. Zum Schluss werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammen mit den vorab abgefragten Verbrauchsdaten des Haushalts bewertet. Die Energie-Scouts geben nach der Auswertung Tipps zu den weiteren Möglichkeiten, den Energieverbrauch maximal zu senken.

Mehr Details zum Konzept der Energie-Scouts finden sich hier:

Handreichung zur Umsetzung des Projekts (PDF, 27 MB)

Ablauf und Ergebnisse des Pilotprojektes

Das erste Energie-Scouts-Pilotprojekt wurde 2023 in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen durchgeführt. Studierende des Studiengangs Energie- und Ressourcenmanagement arbeiteten an der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung des Projektes mit und fungierten selbst als erste Stuttgarter Energie-Scouts.

Zur Vorbereitung erarbeiteten sich die Studierenden das benötigte Wissen und interviewten verschiedene Fachpartner*innen, um Informationen zur Planung der Beratungen und Begehungen zusammenzutragen, u.a. aus den Bereichen

  • Ablauf einer Begehung,
  • rechtliche Aspekte und
  • persönliche Erfahrungen sowie Tipps und Tricks der Expert*innen.

Wir danken dem Energieberatungszentrum Stuttgart, dem Amt für Umweltschutz Stuttgart und der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für die Unterstützung als Fachpartner*innen.

Im Verlauf des Projektes führten die Energie-Scouts in elf Stuttgarter Haushalten eine Begehung durch. Neun Haushalte haben an der anschließenden Befragung und Evaluation teilgenommen.

Begleitend zur Begehung wurden Merkblätter und ein Musteranschreiben an die jeweiligen Hausbesitzer*innen und die Bewohner*innen übergeben. Die Dokumente können hier heruntergeladen werden:

Ergebnis und Mehrwert

Die Auswertung der Befragung zeigt: Fast alle Haushalte (acht von neun befragten) waren mit der Beratung zufrieden, zwei Drittel würden die Beratung der Energie-Scouts ganz klar weiterempfehlen.

Neben der direkten Unterstützung von Mieter*innen hat der Ansatz der Energie-Scouts den Vorteil, flexibel auf die jeweilige Zielgruppe reagieren zu können. Energie-Scouts können in verschiedenen Communities gefunden werden, um dann eine niedrigschwellige Energiesparberatung, bei Bedarf auch in anderen Sprachen, durchzuführen.

Insgesamt können Energie-Scouts dazu beitragen, viele Mieter*innen zu erreichen und zum Klimaschutz durch Einsparen von CO2-Emissionen zu befähigen.

Abschlussveranstaltung

Die Ergebnisse des Pilotprojekts sollen allen Interessierten aus Stuttgart und anderen Kommunen zur Verfügung stehen. Vorgestellt wurden sie bei einer gemeinsam mit den Studierenden organisierten Abschlussveranstaltung.

Zu den Gästen gehörten u.a. Vertreter*innen des EBZ Stuttgart, der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, KEA, Umweltamt Stuttgart, BUND, Solaroffensive Botnang.

Sebastian Metzger, Mitglied der Geschäftsführung von co2online, stellte in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung der niedrigschwelligen Energieberatung, insbesondere für Mieter*innen, heraus: “Um die Energiewende wirklich zu schaffen, benötigen wir eine größere Akzeptanz in der Gesellschaft. Dafür werden viele Menschen gebraucht, die entweder selbst Energie-Scouts werden oder durch diese zum Energiesparen motiviert werden."

Ausblick

Der beim Projektabschluss angestoßene Austausch mit Organisationen in Stuttgart soll hier und in anderen Kommunen ausgeweitet werden.

Außerdem: Ein weiteres Pilotprojekt für Stuttgart ist geplant.

Sie interessieren Sich für die Energie-Scouts?

Interessierte Kommunen oder Organisationen können sich unter info[at]stuttgart-zehn-prozent.de melden.

Als co2online möchten wir so mit unserer Erfahrung in der niedrigschwelligen (Online-)Beratung und mit unserer Kommunikationsstärke in der Presse und auf Social Media dazu beitragen, die Energie-Scout-Idee bekannter zu machen und in die Fläche zu tragen – gerne in Kooperation mit anderen.

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